Über die Ausstellung

Porzellan und Mode haben viele Gemeinsamkeiten: Als Elemente der unmittelbaren Lebensgestaltung sind sie Ausdruck der sich stets wandelnden Kultur mit ihren sozialen, politischen, philosophischen und technischen Implikationen. Porzellan und die Haute Couture wurzeln beide in der höfischen Kultur des 18. Jahrhunderts, in der die Zurschaustellung des persönlichen Lebensstils als soziales Distinktionsmittel inszeniert wurde. Die Ausstellung nimmt die wechselseitigen Bezüge von Porzellan und Couture in den Blick und befragt die gegenwärtige und zukünftige Relevanz dieser Luxusprodukte.

 

Galt in früheren Epochen das Prinzip einer klaren Modevorherrschaft mit unzweifelhafter Aussage, was fashionable war und was nicht, so ist die Gegenwart von der Gleichzeitigkeit höchst unterschiedlicher, teils disparater Trends geprägt. Die historische und gegenwärtige Entwicklung der Porzellanmanufaktur FÜRSTENBERG spiegelt diese spezifische Phänomenologie in hervorragender Weise wider: Als Lieferantin von Luxusgütern gingen mit ihrer Gründung die zeittypischen merkantilen Vorstellungen einher. Und auch wenn FÜRSTENBERG als herzogliche Manufaktur nicht im gleichen Umfang zur herrschaftlichen Repräsentation eingebunden wurde wie etwa die Manufakturen in Meissen, Berlin oder Nymphenburg, so zeigte das Sortiment deutlich seine Abhängigkeit vom höfisch diktierten Geschmack. Noch näher berührten sich Porzellan und Mode in der Erzeugung einer Vielzahl so genannter Galanterien, die als modische Accessoires den textilen Habit von Hofdame und Höfling komplettierten und zeitweilig einen bedeutenden Teil der FÜRSTENBERG Produktion ausmachten. Die Nachfrage war groß, denn insbesondere die ‚richtige‘ Auswahl solcher Gegenstände demonstrierte in den Augen der Zeitgenossen Weltläufigkeit und individuellen Geschmack. Darüber hinaus wurden textile Muster im Porzellandekor aufgegriffen, so dass eine gattungsübergreifende Anverwandlung von Colorit und Ornamentik zu beobachten ist. Ebenso befruchteten Darstellungen der höfischen – und damit modischen – Welt die Porzellankunst. Umgekehrt konnte die Mode aus dem Porzellan Anregungen schöpfen, seien es das Aufgreifen bestimmter (Dekor-) Motive, die geradezu porzellanimmanente Blau-Weiß-Ästhetik oder die Bevorzugung purpurrosaroter Farbtöne.

 

Mit der Klärung der historischen Basis springt die Ausstellung bewusst ins 20. und 21. Jahrhundert, die durch modische Vielschichtigkeit charakterisiert sind. Vorrangig geht es auch in diesem Ausstellungsteil nicht darum, einfache Analogien zwischen Porzellan und Mode herzustellen, sondern Themen herauszuschälen, die gleichermaßen die Gestaltung von Kleidung und von Porzellan prägten und prägen. Mehr noch wird durch die Inszenierung der Entstehungsprozesse von Haute Couture in der Besucherwerkstatt des Museums auf die ungebrochene und gerade heute neu belebte Relevanz des Handwerklichen zur Erzeugung hochwertiger Luxusgüter hingewiesen. Dieser Aspekt ist angesichts der einerseits vom Konsumenten immer mehr abgekoppelten und unüberblickbaren Produktionsketten, andererseits des wachsenden Interesses gerade an Materialität und Verarbeitungsmethoden wie –bedingungen von großer Signifikanz. In diesem Sinne erhalten Haute Couture sowie Porzellan durch ihre stark traditionsgeprägten Technologien, die ursächlich von den Machenden sowie den jeweiligen Entstehungsorten abhängig sind, als Authentizität versprechende Produkte eine neue Wirkmacht. 

 

Das Ziel der Ausstellung besteht weniger in der kunsthistorischen bzw. ästhetischen Analyse und Feststellung gemeinsamer oder oszillierender Gestaltungsmuster. Auf dieser Ebene eruierte Gemeinsamkeiten und Wechselwirkungen dienen der Erläuterung grundsätzlicher Fragestellung: Was determiniert und entwickelt die Gestaltung wie auch die Nutzung von Konsumgütern, die über ihren Funktionszweck hinaus als Vehikel sozialer Interaktion und Kommunikation eingesetzt werden? 

 

Christian Lechelt

© Museum Schloss Fürstenberg 2018